Hauskonzert # 25

24. November, 20 Uhr, Halle 6, 10 Euro Eintritt
mit Sylvia Bruckner (A) - piano solo

Am Donnerstag, den 24. November 2016, kommt die Pianistin Sylvia Bruckner aus Wien zum Abschluss der diesjährigen Reihe der Hauskonzerte in der Halle 6 zu einer KlangAbgabe auf höchstem Niveau.
"Klänge detonieren. Klänge blühen auf, werden zu Räumen. Verträumte Phrasen. Sinnieren, Verweilen. Klänge kommen näher. Klänge entfernen sich. Klänge stehen. Linien bohren sich ins Klavier. Explosionen. Bis zum Äußersten gehen, Stimmungen, Meditation, Ekstasen, Atmosphäre. Verloren romantisch. Töne atmen durch – stehen vor dem Hörer wie abstrakte Bilder.
Free Jazz? „Ja, das auch. Das bin ja ich, da lebe ich etwas aus – ohne Rücksicht auf Verluste“, meint Sylvia Bruckner auf die hingeworfene Kategorie, wobei man vor allem das Wörtchen AUCH beachten sollte. Denn für eine Arbeit, die letztlich stilistisch so unberechenbar und offen ist, wie jene von Sylvia Bruckner, sind Einzelbegriffe wohl auch zu kleine „Räume“. Sie werden dem Phänomen nicht gerecht. Das betrifft auch Sylvia Bruckners Geschichte: Was sie immer interessiert hat, war Musik, die emotionell war. Da hatten einzelne Genres wohl nur phasenweise eine dominante Stellung. Sehr früh hat sie jedenfalls zu ihrem Instrument, dem Klavier, gefunden, hat bei einem uralten Weiblein im Waldviertel den ersten Unterricht bekommen. Da war sie gerade fünf, spielte eher nach Gehör, und die ersten musikalischen Eindrücke („amerikanischer Jazz“) brachte das Radio.
Freilich faszinierten Janis Joplin und auch die Beatles. Aber Jazz blieb indes auch weiterhin gegenwärtig. Das allerdings ist schon eine Weile her, und das swingende Fach im Sinne des Mainstream hat Sylvia Bruckner nie längere Zeit praktiziert: „Ich könnte das auch nicht. Ich spiele ihn zwar gerne, aber nicht regelmäßig. Manchmal reihe ich einfach so einen Standard an den anderen“. Keith Jarrett ist ihr natürlich nicht unangenehm – und Cecil Taylor, der beharrliche Magier des feintonalen Klavier-Spiels ist ihr sehr nahe. Bruckner: „Ich trage sehr viel Verschiedenes in mir. Ich habe natürlich Stücke, die tonal sind. Aber nicht nur“. Das aber heißt, die ganze Bandbreite der möglichen Ausdrucksformen nutzen und akzeptieren als eine Möglichkeit von Kunst, Tonalität, Freitonalität. Cluster und malerische Harmonien, extrovertierte Aktion und auch verhaltenes Agieren.
In punkto Instrumental-Technik sind da nicht unbedingt besondere Grenzen gesetzt. Bruckner: „Ich will nicht überheblich sein, aber die Technik ist etwas, das mir gewissermaßen gegeben ist. Ich habe nie wirklich sehr viel geübt, das ist wirklich eine Begabung. Es ist für mich selbst ein Rätsel“.
Soll sie ihre Stilistik selbst beschreiben, fallen Worte wie Impulsivität, Ekstatik, das Extrem-Gegensätzliche, ein Voll-da-sein, Intensität. Und die Anregung zur Arbeit? Ist nicht minder vielfältig und muss mit der Welt der Töne nicht unbedingt etwas gemein haben.
Bruckner: „Sehr wichtig ist die bildende Kunst, aus ihr beziehe ich wirklich viel. Dabei vor allem aus der abstrakten Malerei – da entsteht oft unmittelbar etwas. Aber auch wenn ich einfach so durch die Stadt gehe, spielt sich sehr viel ab in mir, das sich schließlich ausdrückt“ – in ungemein persönlicher Musik, versteht sich."

LJUBISA TOSIC

Eine Veranstaltung von KlangBüro und Halle 6 in Zusammenarbeit mit GNU Records & Publishing, unterstützt vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem Bezirk Oberbayern.