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Veranstaltungstipp: „Sommergrüße vom Wolfgangsee“

Kunstaktion von Christian Schnurer am 04. September 2016

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion platziert der Künstler Christian Schnurer eine Insel aus 800 Flüchtlingsschwimmwesten im Wolfgangsee. Er macht diesen „Anschlag auf das Urlaubsidyll mit Alpenblick“ in Erinnerung an die historische Entscheidung der deutschen und österreichischen Regierung, die Grenzen zu öffnen.
Die Aktion ist Teil des Projektes „SALVA VIDA“, einer Kooperation mit der Gemeinde Lesbos. Im Rahmen eines Hilfsprojektes im Januar 2016 importierte der Künstler 4000 Schwimmwesten von Geflüchteten, um diese an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum zu (de)platzieren.
Dokumentation unter www.salvavida.eu

Ein Jahr nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise finden an den Rändern der EU täglich humane Katastrophen statt, während Deutschland und Österreich ihre Leistungsgrenze erreicht haben. Es besteht weitgehende Einigkeit darüber, genug geholfen zu haben. Rechte Parteien sind im Aufwind, die „Christliche Leitkultur“ und der Wohlstand im Kern des Abendlandes werden effektiv geschützt, während die Europäischen Werte und die Solidarität auf der Strecke bleiben. Insbesondere seit andere beliebte Urlaubsziele zu unsicheren Gegenden geworden sind, erfreut sich das Alpenland wieder neuer Beliebtheit bei deutschen Touristen. St. Wolfgang am Wolfgangsee erfüllt, wie kein anderer Ort, das Klischee der bayrisch-österreichischen Dirndelromantik königlich-kaiserlicher Prägung.
Der Wolfgangsee ist die perfekte Kulisse für königliche Liebesgeschichten, Kitschoperetten und Heimatfilme der Nachkriegszeit – Verkörperung des Wirtschaftswunders par excellence. Der wohlhabende Urlaubsort, eingebettet in eine sanfte Seenlandschaft, ist Anziehungspunkt für internationale Sommerfrischler, für ehemalige deutsche Bundeskanzler, für die Reichen und die Schönen, die hier die Ruhe und Gemütlichkeit des Salzkammerguts genießen.

„Wir fühlen uns belästigt von den Unzulänglichkeiten der Welt. Meine Absicht ist diese satte Unzufriedenheit aufzubrechen und die surreale Realität auf den Boden der Tatsachen zu bringen. „Sommergrüße vom Wolfgangsee“ ist ein Anschlag auf ein Urlaubsidyll mit Alpenblick, der die Schizophrenie offenlegt, in der sich unsere Gesellschaft befindet. Die Leistungsgrenze ist nicht annähernd erreicht, insbesondere nicht von denjenigen, die sie am lautesten proklamieren. Während der Wohlstand auf dieser Seite der Alpen wächst, lösen andere die Probleme für uns. Ich wünsche noch einen schönen Resturlaub.“ (Christian Schnurer)

Kommentare und Fotos an: #salvavida
Dokumentation: www.salvavida.eu