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PAM 2018: Rudolf Herz & Julia Wahren

Rudolf Herz & Julia Wahren
Desperados 1919
Lecture performance

15. Jun | 20:30 in der Halle 6

Anarchisten unterwandern die Arbeiterschaft, rauben und entführen, schüren Aufstand – und am Ende ereilt sie die Strafe: Sie werden von den Arbeitern erschlagen. So sah im Jahr 1919 ein antibolschewistischer Propagandafilm aus, der in München gedreht wurde. Die Aufwiegler sind Verbrecher, der Zorn des Volkes richtet sie, Recht und Ordnung sind wieder in Kraft. Desperados hieß der Stummfilm; finanziert wurde er von zwei Ministern der Regierung Eisner – sicher ohne dessen Wissen und unter strikter Geheimhaltung. Ein Verrat von Sozialdemokraten an Revolution und Rätebewegung. Als der Film in die Kinos kommt, ist seine makabre Vision schon Geschichte: Die bayerische Räterepublik ist blutig niedergeschlagen. Moralisch diskreditiert auch.

Der Film ist verschollen und war lange Zeit vollkommen vergessen. Nun wurden Stills, Treatment sowie zahlreiche Dokumente wiederentdeckt: ein Fund, der die Perspektive auf Revolution und Gegenrevolution in Bayern schärft und radikalisiert. Rudolf Herz und Julia Wahren untersuchen mit ihrer Lecture Performance Desperados 1919 die Produktionsgeschichte, Rhetorik und Bildpolitik einer Propaganda, die eine ideologische Basis für den Nationalsozialismus bildete.

Das Schwere Reiter-Gelände (Halle 6) als Aufführungsort ist mit der Performance eng verbunden: Es befindet sich inmitten eines ehemals von Kasernen dominierten Quartiers. Und genau hier formierte sich der einzige Widerstand gegen die Produktion des Films, als sich Arbeiter der Artilleriewerkstätten an der Schwere-Reiter-Straße weigerten, als Statisten mitzuwirken. Die Munitionsarbeiter hatten den Kern des Januarstreiks von 1918 in München gebildet – eines Streiks für das Ende des Krieges und die Demokratisierung Deutschlands.

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